Wie und Wann Äpfel veredeln? (Malus domestica Borkh.)
Äpfel sind normalerweise sehr einfach zu veredeln und wachsen sicher an. Apfelreiser lassen sich problemlos und lange lagern ohne auszutreiben. Für Äpfel gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Unterlagen ja nach gewünschten Eigenschaften und vorhandener Umwelt am zukünftigen Standort.
Für die Frühjahrsveredlungen können die Reiser ab dem Winter bis etwa März geerntet werden, für die Sommerveredlungen am besten direkt vor der Veredlung.
- Anplatten, im Frühjahr, März-April, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
- Kopulation, im Frühjahr, März-April, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
- Rindenpfropfen, im Frühjahr, April-Mai, die Rinde der Unterlage muss sich leicht lösen, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
- Spaltpfropfen, im Frühjahr, März-April, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
- Geißfuß, im Frühjahr, März-April, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
- Okulation, im Sommer, August, mit unmittelbar vorher geernteten Reisern
- Chip, im Frühjahr, März-April, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern oder im Sommer, August, mit unmittelbar vorher geernteten Reisern
Weitere Informationen gibt es in der Fachliteratur zum Veredeln.
12 Comments
toni
1. Januar 2026Hallo,
ich habe schon sehr viel veredelt und ziehe auch meine Unterlagen selber mm111 / M7 myro und ba29 sowie viele Sämlinge von allem möglichen.
Gibt es irgendwo ein Test was passiert wenn ich 1xEdelreise auf mehrere Unterlagen veredele ? Also sowas wie eine mehrfache Ammenveredelung…Plan wäre 2-4 mm111 mit wenig abstand zu pflanzen dann an einer passenden Stelle 2 links, 2 rechts und in die mitte ein Edelreiß einzuveredeln…
Zudem war noch eine Idee an einem unterem Ast meines Spaliers auch zusätzlich eine Unterlage mit einzuveredeln.
Das alles ist wegen meinen hohen Verlusten durch Wühlmäuse,die Drahtkörbe kann ich auch nicht so riesig machen.
Vielen Dank
Johannes
2. Januar 2026Hallo,
ich habe selbst in der Richtung noch keine Versuche gemacht. Grundsätzlich gibt es das Konzept der Ammenveredlung schon lange, allerdings geht es dabei eher darum, schon bestehenden Bäumen mit daneben gepflanzten neuen, meist etwas stärkeren Unterlagen bei Wurzelschäden oder zu schwacher Unterlage etwas unter die Arme zu greifen.
Man kann so etwas sicherlich auch gleich von Anfang an machen, allerdings würde ich vermuten, dass wenn Wühlmäuse das Problem sind, die vorgeschlagene Lösung nicht unbedingt eine zuverlässige ist. Wenn die Unterlagen sehr nahe nebeneinander gepflanzt werden, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass eine Wühlmaus nicht nur die Wurzeln einer Unterlage frisst bzw. entrindet, sondern dann eher gleich die von allen. Ich glaube nicht, dass Wühlmäuse da netterweise jeweils nur an einer Unterlage von vier fressen und dann weiter bis zur nächsten Gruppe graben, um dort noch einmal eine anzunagen und die anderen in Ruhe zu lassen. Die Chancen, dass ein Teil überlebt, erhöht sich natürlich sicherlich, aber ich fürchte nicht so viel wie erhofft. Aber ich habe keine eigene Erfahrung und höre gerne von Erfolgsberichten in ein paar Jahren!
Ich hatte mal eine ganze Reihe Esskastanien mit 30 cm Abstand in einer kleinen temporären Baumschule gepflanzt und eine Wühlmuas hat von 25 alle angefressen und es haben leider nur 3 überlebt und auch die nur mit starken Schäden. Die Wühlmaus hatte ganz planmäßig der Reihe entlang gegraben. Zum Glück habe ich schon seit Jahren keine Wühlmausprobleme mehr.
Viele Grüße
Johannes
Max
20. August 2025Zu welchem Zeitpunkt kann ich eigentlich die Chip-Veredlung allgemein bei Obstbäumen dufchführen? Da sich die Rinde nicht lösen muss kann man doch eigentlich auch noch im September veredeln. Gibt es da irgendwelche besonderheiten zu beachten?
Johannes
20. August 2025Ich habe im September noch keine Chipveredlungen mehr gemacht. Wenn die Unterlage noch „im Wachstum“ ist, kann eine Veredlung noch gut gelingen, weil dann die Veredlung auch noch verwächst. Aber irgendwann, wenn das Wachstum der Unterlage abgeschlossen ist, verwächst eine Veredlung nicht mehr schnell genug und dann überlebt der Chip nicht bis zum nächten Frühjahr.
Wenn die Triebe der Unterlage noch in die Länge wachsen, würde ich eine Chipveredlung noch versuchen, wenn schon eine Endknospe zu sehen ist, würde ich vermuten, dass es nicht mehr klappt.
Kurz: Bedingung ist ein schnelles Verwachsen, weswegen die Unterlage noch im Wachstum sein muss.
Viele Grüße
Johannes
Aziem
20. April 2025Mehrsorten Veredelung auf M26.
Macht man das Gerüst aus der Unterlage? Oder der/die Edelsorten/n
Johannes
20. April 2025Ich würde das Gerüst (Stamm und Leitastanfänge) mit einer der Edelsorten, am besten der starkwüchsigsten gewünschten Sorte, Stichwort Stammbildner, aufbauen, die auf normaler Höhe auf die Unterlage veredelt ist. Die weiteren Sorten würde ich dann auf die Leitäste und die Stammverlängerung aufveredeln.
Verena
29. Februar 2024Wir haben im Garten von den Vorbesitzern zwei Apfelbäume „geerbt“. Sie dürften schon 20 Jahre alt sein, die Sorten weiß ich nicht. Bei meinem Onkel habe ich letztes Jahr einen Glockenapfel probiert, der war außerordentlich lecker. Ließe sich diese Sorte auf unsere Apfelbäume veredeln oder klappt das nur bei jüngeren Bäumen?
Johannes
29. Februar 2024Die kurze Antwort ist: Ja, veredeln klappt auf bei älteren Bäumen.
Die lange Antwort wäre: Das Alter ist eigentlich nicht wirklich wichtig, wichtig ist eher, dass der Baum wüchsig ist und man beim Umveredeln nicht zu große Wunden verursacht. Ich würde zum Umveredeln das Rindenpfropfen empfehlen und auch, lieber mehrere/viele kleine Veredlungsstellen (Unterlagenastdurchmesser bis max 5 cm) weiter außen an den Ästen zu machen als wenige große Pfropfköpfe an den Leitästen oder sonst auch nahe am Stamm. Zu große Pfropfstellen überwachsen langsam und das Holz des Unterlagenasts kann anfangen zu faulen, bevor die Pfropfstelle wieder komplett verwachsen ist, was dann auf Dauer eine Sollbruchstelle im Ast verursacht, siehe auch unsere Untersuchung an verschiedenen Veredungssstellen. Aber sonst spricht nichts dagegen auch ältere Bäume noch umzuveredeln.
Eventuell könnte man sogar jetzt noch Edelreiser vom Glockenapfel schneiden und dann, sobald die zu veredelnden Bäume leicht angetrieben sind (meist reichen schon leicht geschwollene Knospen, bzw. dass man etwas grün durchscheinen sieht), so dass die Rinde sich löst, dieses Frühjahr noch veredeln.
Bernhard Beier
12. Februar 2018Gibt es Erfahrungen bezüglich der Veredlung eines Edelreises auf eine Unterlage mit einer Veredlungschere (U- oder Omegaschnitt)?
Johannes
16. Dezember 2018Veredlungsscheren funktionieren eigentlich auch recht gut, aber wir haben damit keine persönliche Erfahrung.
Daniel K.
8. Februar 2018Funktioniert eigentlich die Veredlung mit einem Omega- oder U-Schnitt bei einem Apfeledelreis auf eine Unterlage genausogut wie die Kopulation?
Vielen Dank
Daniel
Johannes
16. Dezember 2018Veredlungsscheren funktionieren eigentlich auch recht gut, aber wir haben damit keine persönliche Erfahrung. Wenn, dann würde ich den Omegaschnitt bevorzugen, der (auch schon vor dem Verwachsen) eine stabilere Verbindung ergibt.
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