Unterlagen für Pfirsiche und Nektarinen (Prunus persica L.)
Pfirsiche oder Nektarinen werden üblicherweise auf Pfirsichsämlinge oder verschiedene Pflaumenunterlagen okuliert, sind jedoch auch mit anderem Steinobst, Mandeln und Aprikosen kompatibel, die jedoch zumindest in Mitteleuropa selten als Unterlage verwendet werden. Der beste Zeitpunkt für die Okulation ist von der Unterlage abhängig, auf Pflaumen muss schon früher, im Juli, veredelt werden, bei Pfirsichen und Mandeln löst die Rinde auch im August (bis eventuell in den September) ausreichen. Die Eigenschaften der verschiedenen Unterlagen sind:
- Pfirsich-Mandel Hybrid „GF 677“ (Prunus persica L. x Prunus dulcis (Mill.) D.A.Webb)
- starker Wuchs
- beste Unterlage für kalkreiche und/oder trockene Böden
- schneller im Ertrag als Pfirsichsämlinge
- sehr gute Kompatibilität
- keine Wurzelausläufer
- Pfirsichsämling (Prunus persica L.)
- mittelstarker bis starker Wuchs
- früher Produktionseintritt
- für lehmige und saure Böden, keine Staunässe oder sehr feuchte Böden
- gute Kompatibilität
- keine Wurzelausläufer
- um heterogene Eigenschaften durch die generative Vermehrung zu minimieren, am besten Sämlinge von speziellen Selektionen (GF 305, Rubira) oder „kernechten Sorten“ verwenden
- Pfirsich „Montclar“ (Prunus persica L.)
- starker Wuchs
- robust
- sehr gute Kompatibilität
- beste Fruchtqualitäten
- keine Wurzelausläufer
- Pfirsich „GF 305“ (Prunus persica L.)
- starker Wuchs
- sehr gute Kompatibilität
- höhere Kalktoleranz als die meisten Sämlinge
- keine Wurzelausläufer
- Pfirsich „Rubira“ (Prunus persica L.)
- mittelstarker Wuchs, deutlich geringer als GF 305
- besonders für sehr saure Böden geeignet ( pH<5.5)
- Lausresistent und hohe Widerstandsfähigkeit gegen Wurzelkropf und Nemathoden
- keine Wurzelausläufer
- Rotlaubig, daher sind eventuelle Unterlagentriebe einfach zu erkennen
- Pflaume „Wangenheimer“ (Prunus domestica L.)
- mittelstarker Wuchs
- für kalte, schwere und feuchte Böden
- gute Frostresistenz
- durch Steckholz vermehrbar, oft aber auch Sämlinge als „Wangenheimer“ angeboten
- bildet potentiell Wurzelausläufer
- Pflaume „WaVit“ (Prunus domestica L.)
- Auslese von „Wangenheimer“ Sämlingen
- mittelstarker Wuchs
- ähnlich wie „Wangenheimer“
- meristemvermehrt
- wenig Wurzelausläuferbildung
- Pflaume „Brompton“ (Prunus domestica L.)
- starker Wuchs
- früher Produktionseintritt
- für kalte, schwere und feuchte Böden
- gute Frostresistenz
- durch Steckholz vermehrbar
- anfällig gegenüber Virosen
- sehr gute Kompatibilität
- bildet potentiell Wurzelausläufer
- Myrobalanensämling (Prunus cerasifera Ehrh.)
- mittelstarker Wuchs
- schnelles Wachstum
- für alle Böden
- bildet potentiell Wurzelausläufer
- Kompatibilitätsprobleme mit vielen Sorten, sollte nicht verwendet werden
- teilweise auch selektierte, vegetativ vermehrte Myrobalanenunterlagen
- St.-Julien Pflaume (Prunus domestica L.)
- Klon „A“ mittelstarker bis schwacher Wuchs, wenige Wurzelausläufer
- Klon „INRA2“ bzw „INRA 655/2“ mittel bis starker Wuchs, treibt viele Wurzelausläufer
- früher Produktionseintritt
- für gute, feuchte Böden, verträgt keine Staunässe
- mittlere Produktivität
- ohne ausreichende Feuchtigkeit nur mittlere Fruchtgrößen
- (Bitter-)Mandelsämling (Prunus dulcis (Mill.) D.A.Webb)
- mittelstarker-starker Wuchs
- verspäteter Produktionseintritt bei guter Produktivität
- trockene, kalkreiche Böden
- erträgt keine Staunässe
- warmes Klima
- gute Kalk- und Trockenresistenz
- wegen der langen Vegetationszeit besonders gut für späte Sorten geeignet
- keine Wurzelausläufer
- Aprikosensämling
- mittelstarker-starker Wuchs
- verspäteter Produktionseintritt bei guter Produktivität
- trockene, kalkreiche Böden
- erträgt keine Staunässe
- warmes Klima
- gute Kalk- und Trockenresistenz
- keine Wurzelausläufer
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