Wie und Wann Maulbeeren veredeln? (Morus L.)

Es gibt verschiedene Maulbeerarten, wovon in Mitteleuropa hauptsächlich die Weiße (Morus alba L.) und die Rote Maulbeere (M. rubra L.) sowie ihre Hybriden anbaufähig sind. In klimatisch sehr günstigen Lagen kann eventuell auch noch die Schwarze Maulbeere (M. nigra L.) mit Erfolg angepflanzt werden. Allerdings können die Früchte von Sorten der Weißen Maulbeere alle möglichen Farben von weiß über rosa, rot bis schwarz haben und die meisten als „Schwarze Maulbeere“ verkauften Pflanzen sind in Wirklichkeit schwarzfrüchtige Weiße Maulbeeren. Zum Beispiel hat die Hängemaulbeere dunkelrot-schwarze Früchte, ist aber eine Weiße Maulbeere (M. alba ‚Pendula‘). Die genaue Bestimmung von Maulbeerarten ist jedoch ein Thema für sich. Allerdings kann man in so einem Fall, wenn man von der Baumschule getäuscht wurde und statt einer Schwarzen eine Weiße Maulbeere erhalten hat, den Baum einfach umveredeln, da Weiße Maulbeeren die übliche Veredlungsunterlage für die Sorten der drei Maulbeerarten sind.

Maulbeertriebe haben meist ein relativ dickes Mark, weswegen Spaltpfropfen oft relativ schlecht funktioniert und eigentlich nicht empfohlen werden kann. Auch Kopulationen mit Gegenzungen sind dadurch oft deutlich schwieriger und man sollte gegebenen Falls auf einfache Kopulationen ausweichen. Grundsätzlich funktionieren aber alle üblichen Veredlungsmethoden, Okulationen und Chipveredlungen sollten aber nicht wie bei klassischem Obst üblich im Sommer, sondern im Frühjahr auf treibendes Auge durchgeführt werden. Wichtig ist bei allen Veredlungen von Maulbeeren, die Edelreiser gegen Austrocknung zu schützen, entweder durch eine Umwicklung mit z.B. Parafilm oder speziellen Veredlungsfolien oder durch Eintauchen der Veredlung samt Edelreis in Paraffin oder anderes Wachs.

Einige Maulbeersorten, vor allem von Weißer Maulbeere und ihrer Hybriden, lassen sich auch durch Stecklinge oder Steckhölzer vermehren.

Für die Frühjahrsveredlungen können die Reiser ab dem Winter bis etwa März geerntet werden.

  • Anplatten, im Winter/Frühjahr, Februar-März, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern auf eine Unterlage in Vegetationsruhe
  • Kopulation, im Winter/Frühjahr, Februar-März, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern auf eine Unterlage in Vegetationsruhe
  • Rindenpfropfen, im Frühjahr, Mai, die Rinde der Unterlage muss sich leicht lösen, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern, in Frankreich wird teilweise empfohlen, direkt in den Wurzelhals zu pfropfen und als Verdunstungsschutz mit Erde oder Sägespänen anzuhäufeln.
  • Geißfuß, im Winter/Frühjahr, Februar-März, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern auf eine Unterlage in Vegetationsruhe
  • Okulation, im Frühjahr auf treibendes Auge, Mai-Juni, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern
  • Chip, im Frühjahr, März-Mai, mit im Winter geernteten und in Ruhe gehaltenen Reisern