Unterlagen für Esskastanien und Maronen (Castanea sativa Mill.)

Es gibt zwei Gruppen von Unterlagen für Maronen oder Esskastanien: Sämlinge der verschiedenen Esskastanienarten oder Hybriden oder vegetativ vermehrte, geprüfte Hybridunterlagen. Sämlinge haben immer den gravierenden Nachteil einer großen Unsicherheit über die Eigenschaften, da aufgrund der Fremdbefruchtung unter Esskastanien jeder Sämling ein Unikat ist. Es gibt bislang auch keine wirklich schwachwüchsigen Unterlagen für Maronen, alle Unterlagen ergeben im Vergleich zu anderen Obstarten große bis sehr große Bäume.

Wichtig ist auch dass es bei Esskastanienveredlungen zu gravierenden Unverträglichkeiten zwischen Unterlage und Edelsorte kommen kann, vor allem wenn Hybridunterlagen oder hybride Edelsorten aus europäischer und japanischer/chinesischer Esskastanie (C. sativa x C. crenata / C. mollissima) beteiligt sind.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl der Unterlagen sind die Bodenansprüche der Unterlage, die Verträglichkeit mit der geplanten Edelsorte und die Krankheitsresistenz der Unterlage gegen die Tintenkrankheit (Phytophtora) und den Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria). Beide Krankheiten sind zwar in Mitteleuropa noch selten, aber vermutlich mit der Zeit auch aus Südeuropa und Frankreich weiter nach Nordosten ausbreiten. Eine gute Übersicht über die Eigenschaften der Unterlagen und mögliche Sorten-Unterlagenkombinationen findet sich im französischen Buch Chataigniers et Marrons von Henri Breisch.

Einige Hinweise deuten darauf hin, dass Esskastanien unter Umständen auch auf Eichen veredelt werden können, so eine Recherche auf französisch bei greffer.net, mit Bildern von älteren Exemplaren.

Sämlinge:

Allgemein sind die Eigenschaften von Sämlingen oft sehr heterogen und streuen vor allem bei hybrider Herkunft stark.

  • europäische Esskastanie (C. sativa)
    • starker Wuchs
    • leichte, saure bis neutrale, frische und gut belüftete Böden, verträgt keine verdichteten Böden oder pH Werte über 7
    • empfindlich gegen die Tintenkrankheit, vor allem bei unpassenden Böden
    • grundsätzlich verträglich mit allen C. sativa Sorten, eventuell unverträglich mit Hybridsorten
  • japanische Esskastanie (C. crenata)
    • weniger starker Wuchs als C. sativa
    • gute, saure bis neutrale, frische und gut belüftete Böden
    • resistent gegen die Tintenkrankheit
    • empfindlich gegen Trockenheit
    • oft unverträglich mit C. sativa Sorten
  • chinesische Esskastanie (C. mollissima)
    • weniger starker Wuchs als C. crenata
    • tolerant gegenüber verschiedensten Böden, solange der pH Wert um 7 oder kleiner ist.
    • resistent gegen die Tintenkrankheit
    • empfindlich gegen Kastanienrindenkrebs
    • oft unverträglich mit C. sativa Sorten
  • hybride Esskastanie (C. sativa x C. crenata / C. mollissima)
    • Eigenschaften intermediär zwischen Sämlingen der Art
    • tendenziell starker Wuchs
    • gute, saure bis neutrale, frische und gut belüftete Böden
    • tendenziell resistent gegen die Tintenkrankheit
    • bei C. mollissima Anteil auch tendenziell resistent gegen Kastanienrindenkrebs
    • oft unverträglich mit C. sativa Sorten, aber weniger als reine C. crenata / C. mollissima Sämlinge, besser verträglich mit Hybridsorten ähnlicher Abstammung

 

Vegetativ vermehrte Hybridunterlagen (Selektionen der INRA, Frankreich):

Diese Unterlagensorten sind gut getestet und es sind Informationen zur Verträglichkeit mit üblichen Edelsorten verfügbar.

  • Ferosacre (CA90, interspezifische Hybride)
    • starker Wuchs
    • später Ertragsbeginn
    • hoher Ertrag
    • hohe Resistenz gegen die Tintenkrankheit
    • toleriert schlechter belüftete Böden
    • verstärkt die Spätfrostgefährdung der Edelsorte, verfrüht den Austrieb
    • toleriert Befall mit dem Kastanienmosaikvirus
    • grundsätzlich gute Verträglichkeit mit vielen Sorten
    • es besteht Sortenschutz (INRA)
  • Maraval (CA74, Hybride: C. crenata x C. sativa)
    • mittelstarker Wuchs
    • früher Ertragsbeginn
    • hoher Ertrag
    • mittlere Resistenz gegen die Tintenkrankheit
    • toleriert schlechter belüftete Böden
    • unempfindlich für Spätfrost
    • sehr empfindlich gegen dem Kastanienrindenkrebs
    • sehr empfindlich gegen dem Kastanienmosaikvirus
    • grundsätzlich gute Verträglichkeit mit vielen Sorten
    • teilweise auch wurzelecht als Fruchtsorte angebaut, auch trotz wenig fruchtbarer Pollen als Bestäuber
  • Marigoule (CA15, Hybride: C. crenata x C. sativa)
    • recht starker Wuchs
    • hoher Ertrag
    • hohe Resistenz gegen die Tintenkrankheit
    • sehr empfindlich gegen schlechter belüftete Böden
    • sehr anspruchsvoll, nur für fruchtbare Böden
    • unempfindlich für Spätfrost
    • mittel resistent gegen dem Kastanienrindenkrebs
    • empfindlich gegen dem Kastanienmosaikvirus
    • mit vielen Sorten unverträglich
    • in Frankreich verbreitet wurzelecht als Fruchtsorte angebaut
  • Marlhac (CA118, Hybride: C. sativa x C. crenata) 
    • mittelstarker Wuchs
    • hoher Ertrag
    • mittlere Resistenz gegen die Tintenkrankheit
    • recht empfindlich gegen schlechter belüftete Böden
    • recht empfindlich für Spätfrost
    • wenig empfindlich gegen dem Kastanienmosaikvirus
    • sehr gute Verträglichkeit mit vielen Sorten
    • teilweise auch wurzelecht als Fruchtsorte angebaut
  • Marsol (CA07, Hybride: C. crenata x C. sativa) 
    • recht starker bis starker Wuchs
    • hoher Ertrag
    • wenig resistent gegen die Tintenkrankheit
    • recht empfindlich gegen schlechter belüftete Böden, mittlere Ansprüche
    • unempfindlich für Spätfrost
    • mittel resistent gegen dem Kastanienrindenkrebs
    • toleriert Befall mit dem Kastanienmosaikvirus
    • sehr gute Verträglichkeit mit vielen Sorten
    • unveredelt sehr starker, gerader Wuchs, interessant für die Forstwirtschaft