Welches Verbandmaterial nehme ich zum Veredeln?

Der Klassiker ist Naturbast, inzwischen gibt es jedoch auch Kunstbast, der gegenüber Naturbast den Vorteil hat, dass die Länge nicht beschränkt ist, weshalb er vor allem bei dicken Veredlungen, z.B. Rindenpfropfen, praktisch ist. Alle Bereiche der Veredlung müssen verstrichen werden und der Verband muss bei Einsetzendem Dickenwachstum aufgeschnitten werden, um nicht einzuschneiden.

Eine weitere „moderne“ Neuerung sind Veredlungsbänder aus Gummi, die gengenüber Bast den Vorteil haben, dass sie durch ihre Elastizität besseren und gleichmäßigeren Druck auf die Veredlung ausüben. Dadurch wird auch das Einschnüren des Verbands nach erfolgreichem Veredeln und einsetzendem Dickenwachstum verhindert. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei sich überlappenden Wicklungen die Veredlungsstelle bereits dicht gegen die Umwelt abgeschlossen ist und daher nicht mit Veredlungswachs oder ähnlichem verstrichen werden muss. Jede offene Schnittfläche muss geschützt werden! Außerdem zersetzen sie sich unter Einwirkung von UV-Licht innerhalb von 6-12 Wochen meist und müssen daher nicht wie Bastverbände aufgeschnitten werden. Eine Kontrolle ist trotzdem angebracht, vor allem bei schattigeren Standorten!

Speziell für Okulationen gibt es auch sogenannte Okuletten oder Okulationsschnellverschlüsse OSV, mit den schon unter Veredlungsbändern beschriebenen Vorteilen.

Weitere Verbandmaterialien sind verschiedene Klebebänder, z.B. Isolierband. Besonders gut sind elastische, selbstverschweißende Isolierbänder, die sobald einmal gedehnt an sich selbst haften. Für Veredlungen an einem Mehrsortenbaum können auch verschiedenfarbige Isolierbänder praktisch sein, in dem sie nicht nur den Verband dastellen sondern für eine gewisse Zeit auch die verschiedenen Sorten markieren können. Die Isolierbänder sind wie Veredlungsbänder aus Gummi elastisch und schnüren dadurch nicht ein und es entfällt auch hier das Verstreichen der Veredlungsstelle. Jede Schnittfläche, die offen bleibt, muss jedoch geschützt werden!

Eine Verbandmateriallösung, die gleichzeitig auch alle Wundverschlussmittelaufgaben übernehmen kann, ist Parafilm. Parafilm ist wie selbstverschweißende Isolierbänder selbsthaftend, sobald es gedehnt wurde. Es ist sehr dünn und deshalb nur für Veredlungen geeignet, bei denen der Verband nicht zu viel Druck ausüben muss. Es hat dafür jedoch den Vorteil, dass man das Edelreis komplett mit einer (einzigen!) Lage Parafilm vor Austrocknung schützen kann, da die Knospen zumindest eine oder wenige Lagen Parafilm durchstoßen können. Wie Veredlungsbänder ist Parafilm nicht UV-stabil und zersetzt sich meist selbst, so dass der Verband nicht aufgeschnitten werden muss.